Schweigen aufbrechen
Wir wollen dazu beitragen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder nicht länger verdrängt, verharmlost oder nur als Problem anderer Familien wahrgenommen wird.
ÜBER KEIN SCHWEIGEN
Aus einer persönlichen Geschichte ist ein Aufklärungs- und Präventionsprojekt entstanden. Unser Ziel: Schweigen aufbrechen, Wissen zugänglich machen, Kinder besser schützen und Betroffenen Orientierung geben.
PERSÖNLICHER URSPRUNG
Ich habe in meiner Kindheit über viele Jahre sexualisierte Gewalt im familiären Umfeld erlebt – und jahrzehntelang darüber geschwiegen.
Als ich selbst Vater wurde, drängten die Erfahrungen aus meiner Kindheit wieder stärker in mein Leben. Die Verantwortung für meine eigenen Kinder, der Wunsch, sie zu schützen, und eine zunehmende persönliche Überforderung führten schließlich dazu, dass ich eine Therapie begann.
Erst in dieser Auseinandersetzung wurde mir nach und nach bewusst, wie stark die sexualisierte Gewalt weit über meine Kindheit hinaus mein Leben beeinflusst hatte. Manche Folgen hatte ich längst wahrgenommen, ohne sie erklären zu können. Selbsthass und selbstzerstörerische Verhaltensweisen waren über Jahre Teil meines Lebens, doch erst in der Therapie begann ich zu verstehen, wie diese und andere Erfahrungen mit dem zusammenhängen konnten, was mir als Kind widerfahren war. Dinge, die lange für sich gestanden hatten, bekamen erstmals einen Zusammenhang.
In der Therapie begann ich außerdem zu verstehen, unter welchen Bedingungen die sexualisierte Gewalt über so viele Jahre möglich gewesen war. Ich erkannte, wie sehr Erziehung und familiäre Strukturen Bedingungen geschaffen hatten, die der Täter für die sexualisierte Gewalt ausnutzen konnte. Gleichzeitig wurde mir immer deutlicher, wie wenig Möglichkeiten ich als Kind gehabt hatte, diese Strukturen zu durchschauen, mich dem Geschehen zu entziehen oder mich wirksam zu schützen.
Mit der Hoffnung, dass auch meine Familie diese Zusammenhänge verstehen und anerkennen würde, suchte ich schließlich das Gespräch. Ich wollte nicht nur darüber sprechen, was geschehen war, sondern auch darüber, wie es geschehen konnte und welche Folgen es für mein weiteres Leben hatte.
Was ich daraufhin erlebte, war weit entfernt von der Unterstützung und gemeinsamen Auseinandersetzung, auf die ich gehofft hatte. Stattdessen wurde mir noch einmal auf sehr persönliche Weise deutlich, wie schwer es selbst nach Jahrzehnten sein kann, innerhalb einer Familie das Schweigen zu durchbrechen, Verantwortung anzuerkennen und sich mit den Bedingungen auseinanderzusetzen, die sexualisierte Gewalt ermöglicht haben.
Aus dieser persönlichen Auseinandersetzung entstanden Fragen, die weit über meine eigene Geschichte hinausgehen: Wie können Eltern ihre Kinder wirksam schützen? Warum wird über sexualisierte Gewalt noch immer so wenig gesprochen? Warum fällt es Familien so schwer, hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen? Und weshalb glauben so viele Menschen, dass sexualisierte Gewalt nur in anderen Familien passiert?
Aus dem Wunsch, meine eigenen Kinder und andere Kinder besser zu schützen – und aus meiner Erfahrung, welche Folgen sexualisierte Gewalt und jahrzehntelanges Schweigen haben können – entstand Kein Schweigen.
ES BETRIFFT NICHT NUR DIE ANDEREN
Die bekannten Fallzahlen sind erschreckend hoch. Immer wieder berichten Medien über schwere Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Trotzdem bleibt häufig das Gefühl: So etwas geschieht irgendwo anders – aber nicht in der eigenen Familie, im eigenen Freundeskreis oder im vertrauten Umfeld.
Dabei kennen betroffene Kinder die Täter oder Täterinnen häufig. Sexualisierte Gewalt geschieht nicht nur durch fremde Menschen, sondern vielfach innerhalb der Familie oder des sozialen Umfelds. Gerade dort, wo Vertrauen besteht, wird die Gefahr besonders schwer erkannt.
Wir möchten dazu beitragen, diesen Irrtum aufzubrechen und den Blick für tatsächliche Täterdynamiken zu schärfen.
UNSERE MISSION
Unser wichtigstes Ziel ist Prävention. Eltern und andere Bezugspersonen sollen Risiken besser einordnen, Kindern ein verlässliches Umfeld geben und in schwierigen Situationen früher und sicherer handeln können.
Wir wollen dazu beitragen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder nicht länger verdrängt, verharmlost oder nur als Problem anderer Familien wahrgenommen wird.
Wir bereiten Zusammenhänge verständlich auf, korrigieren falsche Vorstellungen und zeigen, warum auch das vertraute soziale und familiäre Umfeld in den Blick gehört.
Prävention soll Eltern und andere Bezugspersonen dabei unterstützen, aufmerksamer hinzusehen, Risiken besser einzuordnen und Kinder wirksamer zu schützen.
Menschen, die lange geschwiegen haben, sollen erfahren: Du bist nicht allein. Es ist nicht zu spät, das Erlebte einzuordnen und professionelle Hilfe anzunehmen.
Kinder können die Verantwortung für ihren Schutz nicht allein tragen. Diese Verantwortung liegt bei uns Erwachsenen.
AUCH VERGANGENES SCHWEIGEN DARF ENDEN
Das Projekt richtet sich ebenso an Erwachsene, die in ihrer Kindheit betroffen waren und vielleicht bis heute darüber schweigen.
Viele kämpfen innerlich mit Erfahrungen, die lange zurückliegen und dennoch bis in die Gegenwart wirken. Manche beginnen erst viele Jahre später zu verstehen, was ihnen widerfahren ist. Andere wissen es längst, haben aber noch keinen Weg gefunden, darüber zu sprechen oder Unterstützung anzunehmen.
Wir möchten diesen Menschen vermitteln: Du bist nicht allein. Es ist nicht zu spät, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und professionelle Hilfe anzunehmen. Niemand sollte ein Leben lang im Schweigen und in den Folgen des Erlebten gefangen bleiben.
Passende Hilfe findenWIE WIR ARBEITEN
Komplexe Themen werden so aufbereitet, dass sie Orientierung geben, ohne zu vereinfachen oder unbelegte Gewissheiten zu erzeugen.
Sprache soll Betroffene nicht beschämen, drängen oder auf ihre Erfahrungen reduzieren. Die Verantwortung liegt immer bei der übergriffigen Person.
Wir wollen nicht überall Misstrauen erzeugen. Wissen, Aufmerksamkeit und verlässliche Strukturen sollen Erwachsene handlungsfähiger machen.
Das Angebot ist ein unabhängiges Aufklärungsprojekt und keine Beratungsstelle. Inhalte und Angebote wachsen schrittweise und werden sorgfältig vorbereitet.
UNSERE VISION
Wir wollen dazu beitragen, dass über sexualisierte Gewalt gegen Kinder nicht länger geschwiegen wird. Wissen soll zugänglich sein, falsche Vorstellungen sollen korrigiert werden und Prävention soll im Alltag von Familien und Einrichtungen selbstverständlich werden.
Langfristig sind Materialien für Familien und Einrichtungen, Angebote für Elternabende sowie Formate geplant, die Prävention in Kitas, Schulen, Vereinen und medizinischen Praxen stärker verankern.